Die Rettung des ertrunkenen Sohnes

Ein vornehmes Ehepaar wurde auf Fürbitte des hl. Nikolaus mit einem Sohne beglückt, nachdem der Vater gelobt hatte, mit diesem gemeinsam eine Pilgerfahrt nach Myra zu unternehmen und dort auf dem Altare des hl. Nikolaus einen goldenen Becher zu opfern. Als der Knabe herangewachsen war und der Goldschmied den in Auftrag gegebenen Becher dem Vater überreichte, fand dieser ihn so ausgezeichnet, dass er beschloss, ihn zu seinem eigenen Gebrauche zu verwenden. Er bestellte deshalb bei dem Goldschmiede einen ähnlichen, um mit diesem sein Gelübde zu erfüllen. Während der Überfahrt nach Myra bat der Vater den Sohn, ihm mit dem ersten Becher Wasser aus dem Meere zu schöpfen. Dabei fiel aber der Knabe mit dem Becher ins Meer und verschwand in den Wellen. Als der Vater, der tieftraurig die Reise fortgesetzt hatte, in der Kirche des Heiligen in Myra den zweiten Becher opfern wollte, fiel dieser, wie von einer geheimnisvollen Macht zurückgestoßen, vom Altare herab. Auch ein zweiter Versuch, ihn auf dem Altare niederzusetzen, scheiterte. Während man sich noch über dieses merkwürdige Ereignis verwunderte, erschien plötzlich der ins Meer gefallene Knabe wohlbehalten und gesund , mit dem ersten Becher in der Hand, in der Kirche. Er erzählte der staunenden Menge, dass ihm der hl. Nikolaus zu Hilfe gekommen sei und ihn vor dem sicheren Tod bewahrt habe. Voller Freude über die wunderbare Errettung seines geliebten Sohnes opferte der Vater nun beide Becher dem hl. Nikolaus.

© Karl Meisen: Nikolauskult und Nikolausbrauch. Düsseldorf 1931.

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