Das wundertätige Nikolausbild

Vandalen aus Afrika fallen in Kalabrien ein, plündern und führen viele Gefangene mit sich fort. Einer von den Räubern, ein Zöllner, fand unter seiner Beute ein kunstvolles Bild. Er lässt sich von einem Gefangenen belehren, dass es den hl. Nikolaus darstellt, und dass der Besitzer so lange in Glück und Reichtum lebe, als er das Bild ehre und hochachte. Der Heide, hocherfreut über einen so kostbaren Fund, glaubt ihn nicht besser anwenden zu können, als wenn er ihn zum Hüter seiner Schätze einsetzt, in der Meinung, dass diese so am besten geborgen seien. Trotzdem wurden ihm dieselben gestohlen. Darob ergrimmte jener so, dass er den armen Heiligen heftig ausschalt und ihm mit einem gewaltigen Prügel drohte, falls er ihm die Schätze nicht wieder zur Stelle schaffte.

Der Heilige, welcher nicht zugeben konnte, dass sein Bild misshandelt würde, erschien auch wirklich den Räubern in dem Augenblicke, wo sie die Schätze teilen wollten, und befahl ihnen, dieselben sofort zurückzubringen, widrigenfalls er sie den Richtern in die Hände liefern und ihren schmählichen Tod durch den Strick bewirken würde. Die dadurch eingeschüchterten Diebe trugen den Raub zurück; auf dem Heiden aber machte diese Begebenheit einen solchen Eindruck, dass er das Bild küsste und sich mit seinem ganzen Hause zum Christentum bekehrte und dem hl. Nikolaus zu Ehren eine Kirche baute. So wurde Nikolaus auch in Afrika berühmt.

© Karl Meisen: Nikolauskult und Nikolausbrauch. Düsseldorf 1931.

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